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Wallfahrten und Wallfahrtsorte im Westmünsterland

In der Gegenwart gehen die meisten Wallfahrten aus dem westlichen Münsterland nach Kevelaer am Niederrhein. In der Vergangenheit war das nicht so eindeutig. Lange Zeit war das Gnadenbild auf dem Hilgenberg in Stadtlohn ein regional bedeutsames Wallfahrtsziel. Nach Telgte war es der zweitwichtigste Wallfahrtsort im Münsterland. Nach dem Diebstahl des Gnadenbildes im Jahre 1886 verlor Stadtlohn allerdings schnell seine Bedeutung als Wallfahrtsort. Nach Eggerode im Norden des Kreises Borken pilgerten immer nur Gläubige aus dem direkten Umfeld. Immerhin hat sich dieser Wallfahrtsort bis auf den heutigen Tag gehalten.

Der Frage, wieso es zu der sehr unterschiedlichen Entwicklung dieser drei Wallfahrtsorte kommen konnte, ging der Leiter des Niederrheinmuseums in Kevelaer, Dr. Burckhardt Schwering, in einem Vortrag  in Rhede vor der “Gesellschaft für historische Landeskunde im westlichen Münsterland“ nach.

Alle drei Wallfahrtsorte verdanken ihr Entstehen einer neuen Volksfrömmigkeit, die mit der Gegenreformation  zu Beginn des 17. Jahrhundertsverbunden war.

So gab es bezeugte Wallfahrten  zum Marienbild in Eggerode  seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Der örtliche Klerus und die ortsansässigen Gläubigen waren die treibende Kraft dafür, dass  das wundertätige Marienbild  Ziel von Wallfahrten aus der näheren Umgebung wurde Eine offizielle Förderung durch das Bistum Münster erfuhr dieses Bestreben kaum. Zeitweilig war  die Wallfahrt nach Eggerode sogar fast ganz erloschen. Als 1850 neue Wunder aus Eggerode gemeldet wurden, erfuhr dieser Wallfahrtsort auch offizielle Anerkennung und Unterstützung durch die katholische Kirche. Heute kommen etwa 60.000 Pilger jedes Jahr in den Sommermonaten  zum Gnadenbild nach Eggerode.


Auch  für die Wallfahrt zur Marienkapelle auf dem Hilgenberg in Stadtlohn gibt es historische Zeugnisse aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.Im Gegensatz zu Eggerode erfuhr Stadtlohn schon sehr früh die offizielle Anerkennung und Förderung durch das Bistum. Ein wichtiger Grund dafür war, dass die  zahlreichen Wunderheilungen  sehr bald  die offizielle Akzeptanz fanden. So sind z. B. für das Jahr 1761 insgesamt 16 große Prozessionen überliefert, darunter auch zwei aus den Niederlanden. Auch die Wallfahrten nach Stadtlohn erlebten Höhen und Tiefen, was meist mit den politischen Zeitumständen zusammenhing. Der Diebstahl des Gnadenbildes aus der Kapelle auf dem Hilgenberg 1886 beendete abrupt die Wallfahrten nach Stadtlohn.

Kevelaer erfuhr schon sehr bald die offizielle Bestätigung als Wallfahrtsort, da die Verehrung des Marienbildes schon bald  nach dem ersten Wunder im Jahre 1642  und zahlreichen folgenden Wundern eine große Anziehungskraft entwickelte. Für die ständig steigende  Pilgerzahl musste schon nach wenigen Jahren 1649 eine neue Kapelle bebaut werden. Die weit über den Niederrhein reichende Wirkung des Gnadenbildes  führte auch dazu, dass auch  aus den westlichen Teilen des Münsterlandes viele Wallfahrten nach Kevelaer gingen. Das andere Zentrum für Pilger im Bistum Münster war  und ist Telgte. Hohe kirchliche Würdenträger, angesehene Adlige und  bedeutende Politiker fanden im Laufe der Jahre den Weg nach Kevelaer, was sicher die „Kultdynamik“ dieses Ortes förderte. Ein Höhepunkt   für den Wallfahrtsort war das Jahr 1913, als 576 Pilgergruppen nach Kevelaer kamen. Heute rechnet Kevelaer jährlich mit etwa 600.000 Pilgern.



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