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Heimat - Bedeutung in Geschichte und Gegenwart

Missbraucht, verpönt- und wiederentdeckt: Der Begriff „Heimat“hat in Zeiten der Globalisierung wieder Bedeutung gewonnen. Mit dieser Entwicklung beschäftigte sich der Vortrag von Gisbert Strootdrees im Stadtmuseum Borken in einer Vortragsveranstaltung, bei der auch die „Gesellschaft für historische Landeskunde des Westmünsterlandes“ Mitveranstalter war.

Der Referent des Abends sprach zu dem Thema „Im schönsten Wiesengrunde? Zeitgemäße Anmerkungen zum umstrittenen Begriff „Heimat“ und seiner Geschichte.“ Gisbert Strootdrees ist Redakteur  beim Landwirtschaftlichen Wochenblatt  Westfalen-Lippe, Lehrbeauftragter an der Universität in Münster und  Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte in Westfalen.
Wie aktuell der Begriff „Heimat“ ist,  konnte der Referent in seiner Einleitung  fast tagesaktuell mit einem Blick in die Presseberichterstattung zur Frankfurter Buchmesse veranschaulichen. Die Literatur reagiert in diesem Jahr  mit zahlreichen Neuerscheinungen auf die gegenwärtige Situation der Menschen, wie sich nämlich mit der Globalisierung, mit den drohenden Gefahren  in der  Wirtschafts- und Bankenwelt, mit der ständig wachsenden  Mobilität und den Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt   mehr und mehr das Bedürfnis oder der Wunsch nach einem Ort der  Sicherheit und Überschaubarkeit gemeldet hat. Auch ein Blick in die Zeitschriftenlandschaft zeigt, dass das Thema Heimat Konjunktur hat. So gibt es mittlerweile sogar  eine Zeitschrift, die sich schlicht den Namen “Heimat“ gegeben hat.
Im ersten Teil seines direkt auf das Thema bezogenen Vortrages  ging der Referent dann den unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffs „Heimat“ nach, wobei er immer auch den historischen Kontext mit einbezog. Zunächst hatte dieses Wort eine rechtliche Bedeutung: Bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts  zeigte das Wort, dass jemand Haus und Hof hatte.  Wer ohne Besitz war, galt als  heimatlos. Mit der Romantik kam die Verklärung der vergangenen, schönen Zeit und später dann des Landlebens als einer friedlichen Idylle in der Natur auf. Schon damals im 19. Jahrhundert war diese Wertschätzung und Idealisierung der Heimat auch eine Gegenbewegung gegen die moderne Zeit, gegen aufkommende Not, gegen die Industrialisierung und den Zwang, in der Fremde neue Arbeit  suchen zu müssen, aber auch gegen Liberalismus und Demokratie. Erst seit dieser Zeit gibt es auch eine Heimatliteratur. Später organisierte sich diese Bewegung in den Heimatvereinen, die sich zum Ziel setzten, die Tradition zu pflegen und die alten Werte gegen die moderne Zeit hochzuhalten.
In der NS-Zeit wurde der Begriff und diese Bewegung instrumentalisiert für die Kriegsführung des Nationalsozialismus. Mit dem Begriff „Heimatfront“ wurde die Heimat für den Weltkrieg instrumentalisiert und verlor damit  völlig ihren eigentlichen Sinn. Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts waren damit der Begriff „Heimat“ und die Werte, die damit ursprünglich verbunden waren, belastet. Erst in den 70er Jahren bekam der Begriff wieder einen positiven, in der Gesellschaft akzeptierten Sinn.
Der Referent verwies auch noch auf einen anderen Zusammenhang, in dem der Begriff „Heimat“ gebraucht wird. Im christlichen Glauben hat der Begriff „Heimat“ immer eine andere Bedeutung, die nicht zeitgebunden ist. Sie besagt, dass wir Menschen erst im Jenseits unsere wahre Heimat haben.
Im zweiten Teil seiner Ausführungen beschäftigte sich Gisbert Strootdrees mit der Frage, was denn heute dieser Begriff leisten könne, wenn er - auch in der modernen Gesellschaft - für heute und die Zukunft Bedeutung und Sinn  haben soll. Einmal stellte er dabei heraus, dass die Heimat - auch hier bei uns - für alle, die hier leben und wohnen, eine Heimat sein muss. Damit wird  z. B. der Rahmen für Aktivitäten der Heimatvereine erheblich größer und bekommt auch neue Akzente. Zum zweiten stellte der Referent heraus, dass das, was heute unsere Heimat ist, auch von den Heimatvereinen für die Zukunft mitgestaltet werden müsse. Allein die Pflege von Traditionen reiche nicht. Wenn das, was die Heimat als Wert für das Zusammenleben heute bedeuten kann, erhalten und attraktiver gemacht werden solle, dann sei mehr Orientierung auf die Zukunft sinnvoll.


ZURUECK

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