Zu diesem Thema sprach auf Einladung des Stadtmuseums Borken und der Gesellschaft für historische Landeskunde im westlichen Münsterland am Mittwoch, den 14. Februar 2011, Dr. Thomas Ohl vom Preußenmuseum Minden/Wesel vor gut 30 interessierten Zuhörern im kleinen Saal des Stadtmuseums.
Bevor
Dr. Ohl auf die neuen Verwaltungsstrukturen einging, die nach dem Wiener
Kongress 1815 mit der Zuordnung des Münsterlandes in das Königreich Preußen eingeführt wurden,
zeigte er auf, wie Preußen auch
schon vorher im Westen territorialen
Besitz erworben und vergrößert hatte, allerdings waren diese Gebiete ein „Streubesitz“
und weit von dem geschlossenen Kernland
des preußischen Staates entfernt.
Die
territoriale Entwicklung in der Zeit der napoleonischen Kriege in Europa
brachte für das Westmünsterland viele
Umbrüche. Die geistliche Herrschaft, also das Fürstbistum Münster, wurde mit
der Säkularisierung aufgehoben, die Ländereien wurden zur Entschädigung an
vormals linksrheinische Fürstenhäuser gegeben. Dann gerieten die Gebiete des
Münsterlandes unter die direkte oder indirekte Herrschaft Napoleons. Der Wiener
Kongreß brachte schließlich die Zuordnung von Westfalen und Rheinland zum preußischen Königreich, womit
Preußen jetzt im Westen über ein großes, geschlossenes Territorium verfügte, das aber noch
nicht mit dem östlichen Teil des Staates verbunden war, weil Hannover
dazwischen lag. Das neu dazugewonnene Territorium im Westen hatte in vieler
Hinsicht eine andere Basis als das Stammland im Osten des Reiches: Diese
Gebiete waren konfessionell weitgehend katholisch, wirtschaftlich schon
fortgeschrittener, dichter bevölkert als die östlichen Provinzen und bisher von
vielen unterschiedlichen Landesherren regiert worden.
Dass
bedeutete, wie der Referent im zweiten Teil seines Vortrages darstellte, das die
Herausforderung an den preußischen Staat, diese Gebiete in das schon bestehende
Staatsgefüge zu integrieren, sehr groß war. Die westlichen Gebiete wurden in
die zwei Provinzen Rheinland und Westfalen aufgeteilt. Diese Provinzen wurden
wiederum in Regierungsbezirke und Kreise, in denen mehrere Kommunen
zusammengefasst wurden, aufgegliedert; das ergab eine klare und übersichtliche
Verwaltungsstruktur, die sich insgesamt bis zur kommunalen Neuordnung im Jahre
1975 hielt. Dr. Ohl stellte dabei die Rolle und Leistung des ersten
Oberpräsidenten von Westfalen, Ludwig Freiherr von Vincke, heraus, der
gleichzeitig auch noch Regierungspräsident für das Münsterland war. Ihm gelang
es trotz manchen Widerstandes, die neue
Provinz nach preußischen Grundsätzen zu organisieren.
Der
Regierungsbezirk Münster wurde in etwa
gleich große Kreise eingeteilt, jeder hatte ca. 35 000 Einwohner, die
entweder in Städten mit wenigstens 1500 Einwohnern oder auf dem flachen Land lebten. Der Referent stellte auch knapp die
einzelnen Kreise vor und die jeweiligen ersten Landräte, die dem Adel
entstammten. Auffällig war, so Dr. Ohl,
dass besonders die Amtsinhaber
der ersten Stunde, die die neuen Strukturen konkret in die Realität
umsetzen mussten, ihr Amt über sehr viele Jahre ausübten, was für eine gewisse Kontinuität sorgte.