Genossenschaftliche Bau- und Siedlungspolitik im Kreis Borken
Ein Vortrag von Frau Dr. Magdalene Heuvelmann zum Thema „Genossenschaftliche Bau- und Siedlungspolitik im Kreis Borken" fand am ... in Gronau statt.
Ihre
Ausführungen zur Geschichte der genossenschaftlichen Siedlungs- und Baupolitik
im Kreis Borken stellte die Referentin des Vortragsabends in Gronau, Frau Dr.
M. Heuvelmann ,mit einigen
markanten Anmerkungen zunächst in
den großen geschichtlichen Zusammenhang: Wie sich die gesellschaftliche
Situation in den letzten 150 Jahren
mehrfach grundlegend gewandelt hat, so haben sich auch die Bedingungen
und Ansprüche an Bauen und Wohnen ständig geändert .Bis zur Mitte des 19.
Jahrhunderts lebte die Bevölkerung, besonders im Westmünsterland, noch
weitgehend von der Landwirtschaft, also auf Bauernhöfen und den dazu gehörigen
Ansiedlungen und in kleinen Dörfern und Städten. Die Industriegesellschaft
änderte das grundlegend. Das Wohnen orientierte sich mehr und mehr an der Nähe
zu den Fabriken und führte zur Konzentration der Ansiedlung. Gegen Ende des 20.
Jahrhunderts entwickelte sich die
Dienstleistungsgesellschaft, die höhere Ansprüche an das Wohnen stellt, aber
auch erheblich mehr Mobilität von den
Bürgern erwartet. Diese enormen Veränderungen innerhalb von 150 Jahren haben sich auf das Wohnen und natürlich auf
die Struktur der Ansiedlung ausgewirkt.
In
den folgenden Ausführungen konzentrierten sich die Ausführungen der Referentin
auf die Rolle und Bedeutung der Genossenschaften in dieser Entwicklung.
Auslöser für die Gründung von Genossenschaften für die Beschaffung von Wohnraum
war die große Wohnungsnot, die sich aus der Industrialisierung ergab, als die Fabriken immer größer wurden,
entsprechender, menschen- würdiger Wohnraum für die Arbeiter aber nicht
vorhanden war. Sowohl Unternehmer als auch Gewerkschaftler und Politiker
erkannten, dass durch langfristige Kredite, eigenes, gemeinsames Sparen und
-was entscheidend war - Eigenhilfe und persönliches Engagement Wohnraum für die Arbeiter und ihre Familien
geschaffen werden konnte.
Einen
rechtlichen Rahmen schaffte das Genossenschaftsrecht von 1898. Damit gab es
eine gesetzliche Basis für die Arbeit der Genossenschaften, die auch schon
vorher aktiv geworden waren, natürlich in den Ballungsräumen der Industrialisierung.
Besonders in der Zeit der Weimarer Republik entwickelten sich die Wohnungsbau -
und Siedlungsgenossenschaften sehr stark. Fast in jeder Stadt gab es eine
solche Genossenschaft, die in den Städten auch über einen großen Bestand an
Mietwohnungen verfügten. Auch der Nationalsozialismus sah in den Wohnungsbau-
genossenschaften ein Instrument, einerseits zur Arbeitsförderung, andererseits
zur Schaffung von Wohnraum für Familien.
Im
Westmünsterland beschränkten sich bis 1945 die
genossenschaftlichen Aktivitäten
hauptsächlich auf die Unterstützung beim Eigenheimbau, über
Mietwohnungen verfügten die hiesigen Genossenschaften in größerem Umfang nur in
ausgesprochenen Arbeiterstädten wie Bocholt, Gronau oder Rheine.
Das
blieb im Westmünsterland auch noch so in
den ersten Nachkriegsjahren. Allerdings gab es es eine grundlegende Änderung
:die Kommunen und besonders die Kreise erwarben wesentliche Anteile an den
Genossenschaften und erhielten damit auch Einfluss auf die Baupolitik. Zunächst
aber half dieses neue Kapital der akuten
Wohnungsnot nach den Kriegszerstörungen Herr zu werden .Die Genossenschaften
halfen bei der Finanzierung des Wiederaufbaus und beim Neubau von
Eigenheimen,ganze Siedlungen entstanden so. Die Programmen der
Wohnungsbauförderung in den Nachkriegsjahren gaben den Genossenschaften dazu
die Aufgabe, die finanzielle Betreuung bei den privaten Bauvorhaben zu leisten,
da die Mittelbindung an den Wohnungsbau
kontrolliert bleiben sollte.
In
den 60er und 70er Jahren erweiterten die hiesigen Genossenschaften ihr
Tätigkeitsfeld, in dem sie verstärkt zum Bau preiswerter Mietwohnungen
übergingen, was auch durch die öffentlichen Mittel stark gefördert wurde.Damit
traten die Wohnungsbaugenossenschaften selbst als Anbieter auf den
Wohnungsmarkt.
Mit
der Aufhebung der Gemeinnützigkeit im Jahre 1990 änderten sich dann die
sozialen und wirtschaftlichen Grundlagen dieser Genossenschaften grundlegend.
Als Dienstleister mussten sie sich neben anderen Anbietern, die oft ganz andere
Ziele verfolgten, auf dem Wohnungsmarkt behaupten, und versuchen,ihre
überlieferten sozialen Ziele zu verfolgen, in einem gesellschaftlichen Umfeld
,das sich gegenüber den Gründerjahren entscheidend verändert hat.
ZURUECK